Wien: Aufblick auf eine Kirche

5. März 2010

53.jpg   Inmitten des neuen Stadtteils Donauplatte steht - eine Kirche. Das ist nichts Neues. Traditioneller Weise besetzen die Kirchen bei uns die Zentren der Orte. Hier aber - in den alten killing fields, an der alten Reichsgrenze, wo der Wind gegen den Menschen kämpft und vermutlich siegen wird -  ist diese Mitte zwar besetzt, kann aber nichts gegen die umgebende Kommerzwelt anrichten. Der Massstab hat sich umgedreht. Waren früher die Kirchen die grössten Objekte eines Ortes, die landmarks und Orientierungspunkte, so sind es heute eben die kleinsten geworden, Kioske des Glauben. Der Architekt hat das gut verstanden, und das mickrige Ding - das gleichzeitig auch eine wirklich schöne Architektur ist - in ein Gewand aus Camouflage gehüllt, es so gut es ging unsichtbar gemacht. Die wunderschöne Kirche stammt übrigens von Heinz Tesar, der in einer eigenen Liga  unter den Planern Österreichs spielt. Soweit ich das überschauen kann, muss das eine recht einsame Liga sein, denn er spielt dort ziemlich allein. Hin und wieder spielen Gäste mit.  

Eisenstadt: alte und neue Villenkollonien

3. März 2010

331.jpg332.jpg In unserer winzigen Hauptstadt gibt es  dreieinhalb Villenkolonien. Die erste Kolonie entstand  nach dem Jahr 1858 auf einem schmalen Streifen südlich der mittelalterlichen, ummauerten Stadt, als die riesige Kadettenanstalt ausserhalb der Stadt gebaut wurde. Es blieb bei wenigen Häusern, etwa ein halbes Dutzend.  Die zweite Villensiedlung entstand ab dem Jahr 1926 für die höheren Beamten der neu geschaffenen Landesregierung als Architekten -  bedingt durch den Landhausbau - in der Gegend waren. Die halbe Siedlung entstand nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Bürgertum beschloß, ohne Architekten zu bauen. Aus dieser Zeit haben wir daher nur ein Haus, und ein Haus allein ist maximal eine halbe Siedlung. Seit der Ostöffnung und dem EU- Betritt  wird wiederum gebaut, vorrangig auf den attraktiven Leithaberghängen, und hin und wieder sind es Häuser von Architekten. Manche nennen diese Häuser Villen. Villen setzen immer die zumindest zeitliche Anwesenheit von Architekten voraus.  

Eisenstadt: Räume, die auf den Frühling warten

3. März 2010

 33ora1.jpg33ora2.jpg Der erste Tag des Jahres, der uns ahnen lässt, dass ein Frühling kommt.  Die wunderbare Orangerie im Schloßpark von Eisenstadt ist seit einigen Jahren wieder in ihrer alten Funktion eingesetzt. Das Gebäude aus der Zeitenwende zum 19. Jahrhundert macht seine Aufgabe, wie man durch das Glas beobachten kann,  großartig. Im Inneren ist jedenfalls bereits der Frühling eingekehrt, jetzt wartet er nur mehr auf das Herausgelassen werden.

Großhöflein: ein Hof, ein Baum, eine Bank

3. März 2010

33gross.jpg  Im Jahr 1971 sang Severine beim Eurovisions - Songcontest das Siegerlied für Monaco. Das Lied heißt Un banc, un arbre, une rue. Es ist ein Lied über Architektur, so wie ich sie verstehe. Ein Hof, ein Baum, eine Bank, Mauern, wandernde Schatten,  spielende Kinder, ein Weg, eine promenade architecturale, elementare Dinge, ein Ort, um reifend über das Leben nachzudenken. Es ist das Haus eines großartigen Menschen. Ich hatte die Ehre, es vor langer Zeit  zu planen, und das hier ist mein Geburtstagsgeschenk. 

Großhöflein: der ausgeschabte Hofbau

2. März 2010

23.jpg Das wunderschöne und stattliche Rathaus von Großhöflein - einst Adelssitz des Esterhazyschen  Güterdirektors zur Zeiten des Schloßumbaus in Eisenstadt - wurde kürzlich renoviert. Während die Straßenfassade in einem willkürlichen und - pardon - vielleicht etwas lächerlichem Rosaton darauf wartet, dass die Sonne diese Farblaune langsam wieder auf ein erträgliches Maß ausbleicht - erstrahlt der Hof jetzt wieder in reinstem, hellen, angemessenen Weiß. Die Schönheit der Proportionen und das Licht- und Schattenspiel der Laubengänge, die stilistisch noch stark in die Renaissance zurückverweisen, zeigen uns ein Gebäude, dass zwar aus lauter Masse besteht, sich aber trotzdem stark öffnet, fast modern wirkt, ganz ohne Glas. Ein Lehrstück.

Eisenstadt: mystisches Schloss

1. März 2010

13.jpg122.jpg Im Inneren von Schloss Esterhazy  deuten sich starke Umwandlungen an. Im Hof erschien dieser Tage eine Art Kaaba, ein geheimisvoller, stoffumwickelter Schrein, der wohl auf zukünftige Geheimnisse verweist, und im Inneren tauchten nach Jahrhunderten des Vergessens auf Ritzungen, Ansichten von vergessenen Burgen, dunkle Zeichen und Symbole auf. Noch wissen wir nicht alles über unser schönes Wahrzeichen, und das ist gut so. 

Wien: der Abschied von der Steinarchitektur

23. Februar 2010

 2321.jpg2322.jpg2323.jpg  Früher gab es für die Anwendung von Farbe in der Architektur eine klare Regel. Farbe ja, aber nur als Nachahmung von Steinen, Bausteinen und Natursteinen, die man sich nicht leisten konnte oder wollte.  Dann kam die deutsche Farbenindustrie, die IG Farben und erklärte uns Architekten, dass es mit der Steinfarbigkeit jetzt vorbei sei.  Dieser Trend begann nach dem Ersten Weltkrieg.  Da sich die Architekten zu dieser Zeit sowieso gerade von den verzopften Traditionen ihrer Disziplin verabschiedeten, war von da an alles Mögliche möglich. Heute werden die Farben als Waffen  eingesetzt. Die roten Genossenschaften malen ihre Häuser gerne rot an,  die schwarzen Genossenschaften malen ihre Häuser gerne - grün an, denn schwarze Gebäude sind das Vorrecht der elitären Avantgardisten. Wien ist zur Zeit am bunten Industriefarbentripp. Die Faschingssiedlung  liegt unweit des Bahnhof Meidling und gilt als eines der gelungensten Siedlungsprojekte Wiens. Und wirklich: die räumlichen, städtebaulichen Beziehungen im Inneren der Anlage sind wirklich sehr gelungen, die Architekturen durchwegs auch. Es gibt sehr gute, überlegte Baumsetzungen, die in wenigen Jahren schöne Binnenräume erzeugen werden.  Die Siedlung ist Autofrei. Es gibt kulturelle Einrichtungen, es gibt Geschäfte, Wege und Plätze.Leider sind die Erdgeschoßzonen bis auf die Baumsetzungen wirklich mißlungen. Und das Kasperlgwand? Ich mag den Harlekin schon im Fasching nicht, geschweige denn, das ganze Jahr über. Die überzeugende Architektur hätte das nicht nötig gehabt.  

Wien: die Farben Wagners

17. Februar 2010

1721.jpg1722.jpg  Während Richard die letztendgültigen, musikalischen  Farben der deutschen Romantik fand, entdeckte Otto die Farben Wiens. Dieses Wohnhaus im siebenten Bezirk war der letzte Wohnsitz von Otto Wagner. Während die Stadt Paris auf ihr berühmtes Grau stolz ist und dieses sogar patentieren lässt, denkt Wien wahrscheinlich,  es sei nur Umweltverschmutzung, ein optischer Unfall. Ich würde glauben, dass sich Otto Wagner etwas dabei gedacht hat, als er sein letztes Haus, das ja bei großen Meistern immer auf etwas Zukünftiges - also vielleicht auf uns? - verweist,  in mattem Grauweiß,  in Schwarzglänzend, und in Weissglänzend gebaut hat. Dass er diese langweiligen Farben mit kleinen, farbig abgesetzten Stichen zusammengenäht hat, versteht, wer Maßschneiderei und ihre Mühe mit den Knopflochumsäumungen kennt. Wer nur von der Stange kennt, würde glauben, dass man so etwas nicht braucht.  Stimmt auch. Aber

Eisenstadt: die Kleinwohnung

15. Februar 2010

152.jpg Dieser brave Heilige zeigt uns, wie wenig Platz man zum Wohnen braucht.  Ein hübsches, würdevolles Gehäuse, ein Berg als Decke, ein Kreuz als Zimmerschmuck und am Boden ist noch Platz für etwas Dekoratives. Für Neugierige: der Heilige wohnt am Oberberg, und schaut ins Nichts. 

Oberwaltersdorf: die dritte Renaissance

28. Januar 2010

 wdorf2.jpgwdorf.jpgow31.jpgNicht nur ein gewöhnliches Haus, sondern ein ganzes Ensemble ungewöhnlicher Häuser nach dem Vorbild der florentischen und niederländischen Renaissance ist hier zu bewundern. Was mich aber am Meisten verwundert, ist, wie dicht die Villen im Straßendorfverband stehen dürfen/müssen/sollen/können.