Wiener Neustadt: das sprachlose Haus
18. November 2009
Das neue technische Rathaus der Stadt hat mich überrascht, als ich direkt vom Eingang aus, durch eine Glastür, auf eine riesige Säule zuging. Ich dachte an einen Scherz des Planers.Erst als ich eine der WCs besichtigte, wurde mir klar, das dies keine Komödie war, sondern eine bittere Tragödie. Ich setzte mich auf die Stiegen und weinte bitterlich Angesichts so viel Unverstandes.Ich werde es nie verstehen.Warum schneiden Friseure nicht Haare, warum hacken Fleischhauer kein Fleisch, warum planen nicht Planer, die es draufhaben?
Wr.Neustadt: das pelzige Haus
6. Oktober 2009Wr.Neustadt: der immergleiche Park
26. September 2009
Der Park der Theresianischen Militärakademie ist ein lebendes Fossil der Monarchiezeit. Er ist gespickt mit Artefakten seinen militärischen Vergangenheit und Gegenwart. Jedes Jahr um diese Zeit feiert der Ort seine Hoch-Zeit, es ist Ausmusterung der Leutnante, nach einem immer gleich ablaufenden Schema, hold jeder Veränderung. Etwas ist allerdings Anders in diesem Jahr: der narrische Kastanienbaum, der im September blüht. Aber auch das hat Tradition.
Wr. Neustadt: die kostümierte Stadt
18. Februar 2009


Alle diese Bauwerke in Wr. Neustadt lassen sich - einmal um die Achse gedreht - von einem einzigen Standpunkt aus sehen. Jedes dieser Objekte - die Stadtmauer aus dem Mittelalter, das Zinshaus aus dem Historismus, der Wabenbau aus den Sechziger Jahren oder der Laubengangwohnbau aus den Neunzigern - ist für sich genommen von einer ansprechenden, teilweise sehr guten Qualität. Alle zusammen aber an einem Ort versammelt, zeugt von der fortschreitenden Karnevalisierung unserer Städte. Nicht einmal die Farben der Kostüme konnten aufeinander abgestimmt werden. Geringere Dosierungen haben da oft mehr Effekt: wie heisst es so schön in der Homöopathie: Ähnliches heilt Ähnliches.
Wiener Neustadt: der leere Platz
2. Februar 2008Wiener Neustadt war in den wilderen Zeiten Europas die Festung für das gesamte Wiener Becken, groß genug geplant, um alle Menschen aus der Buckligen Welt, aus dem Steinfeld, aus der Hohen - Wand Gegend und aus dem Großraum Eisenstadt bei Gefahr innerhalb seiner Mauern aufzunehmen. Vor einigen Jahren wurde der Hauptplatz, also die gute Stube der Stadt, besser: der große Marktplatz der Region neu gestaltet. Das renommierte Architektenduo Eichinger oder Knechtl legte Streifen aus helleren und dunkleren Steinen über die gewaltige Fläche, die in der Mitte mit einer städtischen Insel, dem so genannten Grätzel bebaut ist.
Die Leere, die als architektonisches Bild durchaus gewünscht und im Wettbewerbsprojekt ästhetisch durchaus sehr ansprechend dargestellt war, wird heute durch das europaweite Phänomen der sterbenden Altstädte zu einer ernsten Sache.
Die alte Stadt ist nicht mehr länger bürgerstolzes Herzeigeobjekt von Menschen, die dort leben und wohnen. Die Stadtmitte wird zum lauten und wüsten pleasure ground für Menschen, die dort nicht mehr wohnen, daher auch nicht mehr Acht geben.
Der überdimensionale Marktplatz der Regionen befindet sich heute nicht mehr im Stadtzentrum, sondern an den Stadträndern. Wiener Neustadt ist die am stärksten amerikanisierte Stadt Österreichs.
Die Mitte bleibt öd und leer, „ein blauer Kirchhof, entgöttert und stumm.“ (Heinrich Heine).



