10. November 2008


Im 19. Bezirk von Paris, nicht weit vom gigantischen Pariser Außenring entfernt, steht seit 1993 in einer kleinen Nebengasse dieses innovative Wohnhaus für Mitarbeiter der Post. Der Architekt Philiphe Gazeau hat mit diesem Bau bewusst mit den lokalen Traditionen gebrochen und dennoch ein sehr pariserisches Haus zustande gebracht.
Seine Idee war es, einen Spalt zwischen zwei hochaufragenden, seitlichen Bauteilen, die an die jeweiligen Feuermauern der Nachbargebäude angeleht wurden, auszuführen. In diese Leere wurde das offene Stiegenhaus eingefügt.
Diese Entwurfsentscheidung wurde durch eine sehr poetische Idee ausgelöst. Gazeau wollte sozusagen den stetigen Weg der Pariser Briefträger sichtbar machen, die normalerweise unsichtbar, treppauf, treppab in den Stiegenhäusern der Stadt unterwegs sind. Wenigstens aber abends, wenn sie von ihrer Arbeit nach Hause kommen, sollte der letzte Weg des Tages für die Briefträger, nämlich der Weg zu ihren eigenen Wohnungen nicht nur sichtbar werden, sondern in einem besonderen, architektonischen Rahmen voller Würde und Anmut stattfinden.
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9. November 2008




Paris, Champs Elysees im Nieselregen. Nicht weit vom Etoile entfernt, mit seinem Schauspiel der spurlosen, vielspurigen Dauerumrundung des napoleonischen Triumphbogens, überschneiden sich die Welten des billigsten, biedersten Tourismus mit den Welten des exklusivsten Klientels dieses Planeten.
Ein Ort dieser Supereichen ist das Luxushotel Fouquet`s Barriere und das gleichnamige, angegliederte Luxusrestaurant. Sein Interior Design stammt vom Interiorgott Jacques Garcia himself, die Architektur vom relativ jungen Pariser Architekt Edouard Francois.
Francois ist mit diesem Hotel insofern ein Geniestreich gelungen, weil er den vorgefunden Vorgängerbau – ein nichtssagender Stahl – Glas Bürotempel aus den sechziger Jahren mit schwarz eingefärbte Betonabgüssen eines typischen Pariserischen Palais aus der Haussmann Zeit verkleidete.
Mehrere Fliegen wurden so mit einer Klappe getroffen:
Die Baukosten- und die Bauzeit an diesem vielleicht teuersten Pflaster der Welt konnten gering gehalten werden, der Pariser Flair entstand trotz des banalen Gebäudes, durch avantgardistische Methoden. Nicht zuletzt konnte auf Grund der Raumhöhen des Sechzigerjahre Baus um ein Vielfaches mehr an Technik und Räume in die Geschosse hineingepresst werden. Francois schnitt einfach in seine schwarze Monsterfassade moderne Öffnungen genau dort hinein, wo er sie brauchte. Und Jacques Garcia bekam schöne, leere weisse Boxen, an denen er sich austoben konnte.
Es wurde also genau das getan, was die Reichen und Schönen angesichts des Pöbels vor ihrer Haustüre schon immer taten: das Gebäude hat sich einfach eine dunkle Sonnenbrille aufgesetzt.
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8. November 2008

Wenn wir in Österreich an Boulevard denken, so denken wir an kleine Zeitungen mit großem Einfluß. Wir haben keine gebauten Boulevards, nur sechsstöckiges Mährisch-Ostrau, wie der geniale Adolf Loos einmal die Wiener Ringstraße bezeichnete.
Paris hat Boulevards. An einem dieser Boulvardkreuzungen steht das legendäre Kaufhaus Lafayette. Bereits Anfang November erstrahlt es über seinen eigenen fin de siecle Glanz hinaus in einem Weihnachtsglanz, der die restliche, durchaus auch weichnachtsglanzverwöhnte Welt staunen lässt.
Geht man den Boulevard Lafayette jedoch entlang, in Richtung der großen Bahnhöfe, so merkt man nach wenigen Viertelstunden, wie schnell sich die Welt verdunkelt. Ein düsteres Afrika beginnt am Pariser Gare du Nord.
Ein Ambiente von Migration, Arbeitslosigkeit und Aggression lässt den Glanz von Weihnachten sehr schnell vergessen.
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