23. Mai 2010


Am Wiener Hügel in Ödenburg gibt es eine Sommerrodelbahn. Unten, am Fuß des Hügels steht das Bahnhofsgebäude der Rodelbahn. Es wurde als spitzdachiges, romantisches Gebäude im Stil rumänisch- siebenbürgischer, ungarisch- nationalromantischer Gebäude errichtet, ein weiteres Symbol des post- trianon Lebensgefühls im heutigen Ungarn, am Wiener Hügel.
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23. Mai 2010



Auf einem Hügel über der Stadt hat ein Entrepreneur der alten Schule eine Schokoladerie errichtet. Das ist ein klassischer Fall. Jeder hätte im Vorfeld von solch einem Projekt abgeraten: Das ist die falsche Stadt, der falsche Bauplatz, niemand braucht das, das wird nicht gehen, die Soproner sind noch nicht reif dafür, hier kann man keine moderne Architektur errichten, etc. pp.
Ich bin sicher, Karl Harrer hat viele solcher Statements gehört, vor dem Bau. Dann hat er eine Entscheidung getroffen und hat gebaut.
Jetzt steht sie da, und man wundert sich nur, warum sie nicht schon immer dagestanden hat: die Schokoladerie von Ödenburg.
Gehet also hin und esset Schokolade, liebe Burgenländer, Niederösterreicher, Wiener, Ödenburger!
chapeaux!
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23. September 2009


Einer meiner erklärten Lieblingsorte, besonders im Herbst. Dieser Markt ist auf eine sehr subtile Art und Weise mit Buden umgeben, man sieht ihn nicht von Aussen. Der Einstieg in die Marktfläche erfolgt über die Ecken, wie bei Hans Holleins Mönchengladbacher Museum. Mittendrin stehen gigantische Pilzsäulen wie von Pier Luigi Nervi, die wohl Schatten auf den Markt werfen sollen, aber doch eher nur Stimmung auf den Boden malen. Diese visuellen Köstlichkeiten entschwinden allerdings angesichts der ruralen, in Hausfleiß herangezogenen, bodenständigen Köstlichkeiten, die ohne weltweiten Verwertungsdruck, ohne Kunststoffverpackung und ohne Genmanipulation auskommen, in einer Sortenvielfalt, die traurig macht.
Trotz dieser bukolischen Schönheit sind die wahren Haupdarsteller meines Lieblingsmarktes die Gesichter der meist alten Standler, die frühmorgens in ihre Hausgärten gingen und jetzt hier sitzen, um uns die namenlosen Könige der Paradeiser, die gefürsteten Grafen der Gurken und die ganze Entourage, die durchlauchtigsten Eierschwammerl und Herrenpilze anzubieten. Die wahren Kaiser seit aber Ihr, Gesichter meiner Jugend.
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17. Mai 2009

Die Altstadt von Ödenburg bietet das Bild von Zwiebelringen. Dieses Bild betrifft nicht nur den Stadtplan alleine, sondern auch die Tiefenschichten der Häuser. Viel Mittelalter findet sich in der Stadt, vor allem sichtbar gemacht durch die tiefen Krüppelwalmdächer, wie tief ins Gesicht gezogene Schiebermützen. In den hölzernen Gaubenverkleidungen befindet sich der Vortragssaal des Ödenburger Denkmalamtes. Friedliche Schönheit eines Vorsommertages.
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19. März 2009

Die wunderbare Stadt Ödenburg ist in ihrer Stadthaftigkeit ein Produkt des seriellen Bauens Pannoniens. Dieses kollektive Gedächtnis wird in Ödenburg sogar auf den täglichen Lebensmitteln abgebildet.An manchen Stellen der Stadt stimmt dieses Bild, an Anderen nicht. Die serielle Bauweise wurde auch im realen Sozialismus nicht vergessen, die wunderbare Landschaft und die wechselnden Wetterstimmungen unseres späten und relativ strengen Winters tun das Ihrige dazu.
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1. November 2008




An den südlichen Ausläufern meiner Lieblingsstadt Ödenburg finden sich hangseitig alte Gärten, ehemalige Sommerfrischen, Versorgungsanlagen der Städter. Einige dieser Grundstücke sind bereits neu bebaut, teilweise mit schrillen, abartigen Häusern, eine Art Minihollywood, ein tollwütiges Gruselkabinett von Ausstattungsfetischen, Abbilder eines erhofften, besseren, westlichen Lebens.
Als extremes Gegenprogramm finden sich zwischen den Hausmonstern die eingewachsenen, verfallenden, idyllischen Gärten von früher, Gärten mit kleinen, hölzernen Minivillen aus Laubsägearchitektur. Diese Gärten weisen eine eigenartige, ebenfalls fast monströse Besonderheit auf.
Von den Gartentoren bis zu den Gebäuden führen ewig lange, dichte doppelreihige Hecken aus Buchsbaum, aus Eiben, aus Hainbuchen. Diese Heckenschlangen folgen der Topographie, über Berg und über Tal. Manche sind so schmal, das man nicht zwischen den Heckenwegen gehen kann.
In wenigen Jahren bereits werden die ewig langen Doppelhecken von Ödenburg zwischen den Burgen des neuen ungarischen Mittelstandes verschwunden sein.
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