5. April 2010


In der nicht ganz so guten Gegend von Graz, rund um den Grießplatz, fand ich diesen spektakulären Neubau. Warum nur fiel mir dabei nur der 11. Gesang der Odysee ein?
„Auch den Tantalos sah ich, mit schweren Qualen belastet.
Mitten im Teiche stand er, den Kinn von der Welle bespület,
Lechzte hinab vor Durst, und konnte zum Trinken nicht kommen.
Denn so oft sich der Greis hinbückte, die Zunge zu kühlen;
Schwand das versiegende Wasser hinweg, und rings um die Füße
Zeigte sich schwarzer Sand, getrocknet vom feindlichen Dämon.
Fruchtbare Bäume neigten um seine Scheitel die Zweige,
Voll balsamischer Birnen, Granaten und grüner Oliven,
Oder voll süßer Feigen und rötlichgesprenkelter Äpfel.
Aber sobald sich der Greis aufreckte, der Früchte zu pflücken;
Wirbelte plötzlich der Sturm sie empor zu den schattigen Wolken.“
Jedenfalls aber ist Graz immer für eine gute Jausn zu haben. Aber am Ostersonntag bleibt alles geschlossen.
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4. April 2010



Das Schloss Eggenberg ist die gute Stube von Graz. Wenn einmal das Pulver in der Mursenke überkocht, geht man nach Eggenberg, in den Park, so, wie man einst zur Großmama in die gute Stube gegangen ist und lässt dort spazierengehend Dampf ab. Seit kurzem gibt es wieder den altmodischen, rekonstruierten Rosenhügel aus der Biedermeierzeit in seiner ganzen Pracht, mit Spazierwegen und Paraplui an der Spitze. Am stärksten beruhigen aber wohl die blauen Vögel die Nerven, die Pfaue von Eggenberg. Was einst für den Schah von Persien gut war, ist für die Grazer von heute auch ok.
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3. April 2010

In der Grazer Altstadt wurde diese Hausecke auf eine unachahmlich elegante Art und Weise unscharf gemacht. Subtilstes Spiel mit Ordnungen und Versätzen. Dieser Bauherr mochte seine Stadt und ihre Bürger.
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13. November 2009


1845, noch unter dem Beisein des allseits verehrten Prinzen Johann wurde in Graz die prächtige ständische Realschule eröffnet. In den nächsten Jahren schlossen sich moderne Wohnhäuser des gehobensten Bürgertums mit Blick auf die neuen Stadtgärten an die Realschule an. Der ehemalige Stadtgraben der innerösterreichischen Reichsfestung Graz wurde nicht mehr benötigt, Stadterweiterung und Stadtverschönerung fand statt, und zwar mehr als zwanzig Jahre, bevor Wien dies tat. Gebaut wurde in einem edlen, norditalienischen Renaissancestil, mit grosszügig geschnittenen Steinrahmungen, flachen, damals sanftfarbenen, weissorientierten Nullflächen und starkfarbig gefassten, hölzernen Jalous, alles Symbole der nach Florenz und in das Piemont orientierten, steirischen Habsburger.
Zweiundzwanzig Jahre danach war die Katastrophe von Königgrätz, der (steirische) Generalfeldzeugmeister Benedek und andere hohe Offiziere mussten verräumt werden, Pensionopolis entstand. Von diesem Klima des Zorns führte ein direkter Weg zum Grazer Nationalismus und zur Stadt der Volkserhebung.
Die Schönheit und Klarheit der Architektur dieser nördlichsten Stadt Italiens ging ebenfalls mit Königgrätz zu Ende. Noch die Urururenkel dieser grollenen Alt - Königgrätzer, die Architekten der sogenannten Grazer Schule in den siebziger Jahren, schlitzten als letzte Vertreter dieser Grazer Wut die schönen, italienischen Häuser auf, verletzten sie, entzauberten sie, fügten ihnen als gewalttätige Grazer Architekturaktionisten Wunden zu. Heute ist wieder alles vorbei in Graz, die einst berühmten Zeichensäale sind verstummt und kommerzialisiert.
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13. April 2009

Im Grazer Stadtteil Jakomini, in der Brucknerstrasse, steht ein erfrischend auffälliger und gelungenes Beispiel für eine Wohnbausanierung. Die in die Jahre gekommene und überaus einfallslose Architektur des grauen Blockes wurde mehrfach gebrochen: Durch die Gestaltung der Balkone, durch die (nicht sichtbare) energetische Sanierung, durch das Spiel zwischen weiss und grau - und - passend zu Ostern - durch das absolut fetzige Farbspiel der Balkone, das nach Grazer Sitte wohl etwas zu stark aufgetragen wurde.
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12. April 2009

in Graz gibt es seit jeher eine starke Tendenz zur Farbigkeit der Architektur. Dort, wo diese Chromomanie bewusst nicht ausgelebt werden soll, greifen die Gegner der Farbe nicht zu weiss, dieser schönen, reinen Nicht- Farbe, die allen Häusern gut zu Gesicht steht. Die Grazer Chromophoben greifen zur anderen Nichtfarbe, nämlich zu Schwarz. In der oft grellen, südlichen Grazer Sonne wird dieses Schwarz allerdings erst recht wiederum zu einer Farbe.
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22. März 2008


Gummineger und Wolf. Was klingt wie ein lautmalerischer Romantitel von Walter Kempowski, sind in Wirklichkeit zwei alt eingesessene Wirtschaftsbetriebe in Graz. Wie lange es solche Lokale noch geben wird, ist – abgesehen von Gescheitheiten wie political correctness – fragwürdig
Denn nicht der böse Wolf lauert hier offensichtlich bereits hinter dem Stadtteil, sonder dass, was durch das böse Wort gentrification ausgedrückt wird. Also die bewusste Verjüngung eines Ortes durch neue, zahlungskräftigere Eigentümerschichten, welche die Alteingessenen vertreiben.
Ob sich Wolf & Gummineger dagegen wehren können?
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29. Februar 2008

Graz Annenstrasse. Alte DKT Spieler kennen dieses Gebiet noch als heißes Pflaster mit hohen Renditen (falls man ein oder zwei Hotels dort stehen hat). Heute ist die Gegend sichtbar müde geworden. Dieser Geschäftsinhaber hat offensichtlich keine rechte Freude mehr an seiner Arbeit. Es ist schwer, herauszufinden, wann er überhaupt anwesend ist.
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