Großhöflein: ein Hof, ein Baum, eine Bank

3. März 2010

33gross.jpg  Im Jahr 1971 sang Severine beim Eurovisions - Songcontest das Siegerlied für Monaco. Das Lied heißt Un banc, un arbre, une rue. Es ist ein Lied über Architektur, so wie ich sie verstehe. Ein Hof, ein Baum, eine Bank, Mauern, wandernde Schatten,  spielende Kinder, ein Weg, eine promenade architecturale, elementare Dinge, ein Ort, um reifend über das Leben nachzudenken. Es ist das Haus eines großartigen Menschen. Ich hatte die Ehre, es vor langer Zeit  zu planen, und das hier ist mein Geburtstagsgeschenk. 

Großhöflein: der ausgeschabte Hofbau

2. März 2010

23.jpg Das wunderschöne und stattliche Rathaus von Großhöflein - einst Adelssitz des Esterhazyschen  Güterdirektors zur Zeiten des Schloßumbaus in Eisenstadt - wurde kürzlich renoviert. Während die Straßenfassade in einem willkürlichen und - pardon - vielleicht etwas lächerlichem Rosaton darauf wartet, dass die Sonne diese Farblaune langsam wieder auf ein erträgliches Maß ausbleicht - erstrahlt der Hof jetzt wieder in reinstem, hellen, angemessenen Weiß. Die Schönheit der Proportionen und das Licht- und Schattenspiel der Laubengänge, die stilistisch noch stark in die Renaissance zurückverweisen, zeigen uns ein Gebäude, dass zwar aus lauter Masse besteht, sich aber trotzdem stark öffnet, fast modern wirkt, ganz ohne Glas. Ein Lehrstück.

Großhöflein: objet trouve`

23. März 2009

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Wäre Marcel Duchamp  je durch die oberen Teile Großhöfleins geschlendert, er hätte dieses Fundstück gewiss gemocht. Es stellt durch seine subtile Krümmung auf sehr poetische Art und Weise ein banales Anliegen dar, nämlich die Überwindung zweier Ebenen. Die grobe Ausführung in rohem Beton und schnödem Eisen habe ich - von einigen auch sehr renommierten Kollegen - schon weitaus schlechter gelöst gesehen. Ein poetischer Ort, der - glaubt man Heidegger - durch dieses kleine Bauwerk erst entstanden ist.

Großhöflein: Portikusvilla mit Eckrisaliten

22. Dezember 2008


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Ein grün gestrichenes Wohnhaus in Großhöflein verweist mit seiner Formensprache unbewusst auf den beherrschenden Villentypus unserer Region zur Zeit der Römer. Hier, in der Provinz pannonia superior, wie in so gut wie allen anderen Provinzen des Imperiums bauten wohlhabende Römer ihre Villa – wie Karl Swoboda bereits im Jahr 1918 ausführlich nachwies - nach einem einheitlichen Typus.

 

Es ist der Typus der Portikusvilla mit Eckrisaliten. Ab der Wende zum zweiten Jahrhundert nach Christus bis zum Beginn der Spätantike im vierten Jahrhundert wurde dieser Typus im Imperium Romanum bevorzugt.

 

Eintausendsiebenhundert Jahre später erscheint dieser Typus als Nachläufer noch einmal in unserem pannonischen Kontinent. Freilich, die Eckrisalite sind nicht besonders hervorgehoben, und der Portikus ist nur durch Malerei angedeutet. Trotzdem ist der Typus eindeutig vorhanden. Genau, wie bei den antiken Portikusvillen ist auch bei dem modernen Nachläufer der Eingang unklar.

 

 

Großhöflein: repariertes Bild

3. November 2008


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Immer wieder gibt es Menschen mit einem weiterreichenden Verständnis, den es gelingt, bestehende Wunden in unseren Städten und Dörfern zu heilen. Einer dieser Personen ist Stefan K. 

 

Seine Leidenschaft für alte Dinge lässt sich nicht teilen. Ob es alte Autos sind, Antiquitäten, Bilder, Gebrauchsgegenstände oder ganze Häuser: Stefan kümmert sich darum.

 

Seit Jahren ist er in Abbruchhäusern in Österreich und Ungarn unterwegs, und sammelt alles auf, was der Unverstand wegwirft.

 

Die Baumaterialen werden in seinem Anwesen gelagert, gereinigt und – wenn die Zeit gekommen ist – werden sie wieder eingebaut.

 

Stefans Haus im Ortszentrum von Großhöflein wächst vor dem Hintergrund dieser Leidenschaften mit Selbstverständlichkeit wieder zu einem Ganzen zusammen. Das Haus schließt Wunden. Gerade die verstümmelten, burgenländischen Ortszentren haben den Wiedergewinn ihrer schönen, weißen Ensembles sehr notwendig.

 

Chapeaux!

 

 

Großhöflein: das Schneiderhaus

16. Juni 2008

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Nahe der Kirche von Großhöflein befindet sich das Ensemble eines Handwerkerhofes, eines der letzten, die es im Dorf noch gibt. Ein Schneider hat dort einmal gearbeitet und gehaust, das ist klar am Besitzerstolzen Hauszeichen einer steinernen Schere über der großen Einfahrt zu sehen.

Seit einiger Zeit wurde in dem Anwesen umgebaut. Immer, wenn ich dran vorbeifuhr, bekam ich mulmige Gefühle. Ich wartete ständig auf den Moment, wo die schönste Bauteile plötzlich abgerissen sind, wo das Haus mit Dämmblöcken erstickt wird, wo die superisolierten Kunststofffenster dem Haus die Augen ausstechen, wie es eine Schneiderschere nie konnte, wo dem Haus am Schluß eine grelle, meistens gelbe Industriefarbe aufgepappt wird, eines der schlimmsten optischen Grausamkeiten unserer Zeit.

Aber siehe da: nichts davon geschah! Offensichtlich haben findige und verständige Leute dieses schöne Anwesen renoviert und - am Leben gelassen! Und man stelle sich vor: das Haus wurde sogar weiß gestrichen!
Sogar die alte, malträtierte Schneiderschere aus Stein darf in ihrer erhabenen Verletztheit so stehen  bleiben. Dazu kann man nur eins sagen:

vor den Vorhang!