Mönichkirchen: Konfitüre und Lektüre
4. Januar 2009In Mönichkirchen, dem hübsch gelegenen Zentrum des Schifahrens am Hochwechsels leben knorrige, bodenständige Leute. Das weiß man spätestens seit der Lektüre des Kirbisch von Anton Wildgans, dessen gewaltiges Epos im klassischen Versmaß über einen Dorfgendarmen zu den amüsantesten, österreichischen Texten des 20. Jahrhunderts gehört. Vorbild der knorrigen Personals aus dem Kirbisch waren die Einwohner von Mönichkirchen, wo der Jurist Wildgans ein Anwesen besaß.
Unsterblich sind etwa seine Beschreibung eines Schweinsbratens, wo es stabreimend lautmalert: “brutzelnd, brätelnd und braun vom prasselnden Brande des Bratherds,prangte die prächtige Schnitte, verbrämt mit der breitesten Borste schwellenden Rückenfetts von der helleren Farbe des Bernsteins”.
Dass die literaturwürdige Besonderheit der Leute aus Mönichkirchen von Wildgans nicht etwa frei erfunden wurde, beweist mein heutiger Besuch in der örtlichen Konditorei. Dort, im Cafebereich, wo es übrigens fantastische, in Butterschmalz herausgebackene Faschingskrapfen aus vorindustrieller Epoche gibt - liegt nämlich eine wirklich interessante Lektüre auf.
Es handelt sich um einen Sammelband der Zeitschrift Der Anblick, der alpenländischen Zeitschrift für Jagd, Fischerei und Jagdhundewesen.
Ach ja: Die Ausgabe der Zeitschrift ist Jahrgang 1947/ 48. Knorrige Leute eben.

