Wien: die letzte Kohle
23. Juni 2010Etwas Biographisches: vor 26 Jahren bin ich im Winter zu diesem Ort im 7. Bezirk gepilgert, in den Händen zwei schwere, hohe Krüge aus getriebenem Blech, und habe dort, bei Kohlen Weber, Kohle gekauft, um diese dann einige hundert Meter zu meinem Wohnhaus und dann vier hohe Geschosse in meine Wohnung zu schleppen. Und das alles wegen dem bisschen Wärme.
Heute wärmt es mein Herz zu sehen, das dieser Ort unverändert die Zeiten überstanden hat. Und mit dem coolen Kohlenmobil wollte ich damals schon eine Runde drehen.
Wien: die lucide Naturfassade
17. April 2010Wien: der hohle Zahn
15. April 2010Der weithin sichtbare, rote Bau von Ortner & Ortner im dritten Bezirk, hart an der Wiener City, bringt nicht nur die auftrumpfenden Kommerzvolumen in die Stadt, sondern erzeugt auch neue Innenräume, die im internationalen Bereich schon länger zuhause sind. Diese gigantische Lobby oder Hall beherbergt eine kleine Cafeteria, ansonsten hält sie nur den Luftraum besetzt. Das ist auch ihre wesentliche Aufgabe, und das macht sie gut.
Wien: der regenbunte Garten
14. April 2010Wien: die Farbe als Kontext
19. März 2010Neben dem josephinischen Haus im 7. Bezirk mit seiner (vielleicht) durch die Denkmalschutzbehörde befundeten, rosenroten Fassadenfarbe steht ein moderner Bau, der seinen unangepassten Massstab durch eine kontextuelle Farbwahl kaschieren möchte. Was sich sonst noch alles auf dieser Fassade abspielt, hat wohl mehr mit Lego zu tun denn mit Architektur.
Wien: das theoretische Haus
10. März 2010In diesem wunderschönen Biedermeierhaus im Campusgelände der TU Wien ist “mein” Institut für Architekturtheorie untergebracht. Gebaut wurde es zwei Mal: einmal durch die Wiener Staatskanzlei, zu einer Zeit, als diese anonyme Institution so gut wie alle Bauvorhaben im Bereich der riesigen Donaumonarchie plante, und das alles in einem nie wieder erreichten, kollektiven Planungs - und Qualitätsniveau, von dem wir heute nicht einmal mehr träumen können.
Der zweite Bau - im Bau - ist eine entwerferische Einzelleistung der Gegenwart. Mark Gilbert ist der Architekt.
http://www.mgilbert.at/
Wien: Aufblick auf eine Kirche
5. März 2010
Inmitten des neuen Stadtteils Donauplatte steht - eine Kirche. Das ist nichts Neues. Traditioneller Weise besetzen die Kirchen bei uns die Zentren der Orte. Hier aber - in den alten killing fields, an der alten Reichsgrenze, wo der Wind gegen den Menschen kämpft und vermutlich siegen wird - ist diese Mitte zwar besetzt, kann aber nichts gegen die umgebende Kommerzwelt anrichten. Der Massstab hat sich umgedreht. Waren früher die Kirchen die grössten Objekte eines Ortes, die landmarks und Orientierungspunkte, so sind es heute eben die kleinsten geworden, Kioske des Glauben. Der Architekt hat das gut verstanden, und das mickrige Ding - das gleichzeitig auch eine wirklich schöne Architektur ist - in ein Gewand aus Camouflage gehüllt, es so gut es ging unsichtbar gemacht. Die wunderschöne Kirche stammt übrigens von Heinz Tesar, der in einer eigenen Liga unter den Planern Österreichs spielt. Soweit ich das überschauen kann, muss das eine recht einsame Liga sein, denn er spielt dort ziemlich allein. Hin und wieder spielen Gäste mit.
Wien: der Abschied von der Steinarchitektur
23. Februar 2010 

Früher gab es für die Anwendung von Farbe in der Architektur eine klare Regel. Farbe ja, aber nur als Nachahmung von Steinen, Bausteinen und Natursteinen, die man sich nicht leisten konnte oder wollte. Dann kam die deutsche Farbenindustrie, die IG Farben und erklärte uns Architekten, dass es mit der Steinfarbigkeit jetzt vorbei sei. Dieser Trend begann nach dem Ersten Weltkrieg. Da sich die Architekten zu dieser Zeit sowieso gerade von den verzopften Traditionen ihrer Disziplin verabschiedeten, war von da an alles Mögliche möglich. Heute werden die Farben als Waffen eingesetzt. Die roten Genossenschaften malen ihre Häuser gerne rot an, die schwarzen Genossenschaften malen ihre Häuser gerne - grün an, denn schwarze Gebäude sind das Vorrecht der elitären Avantgardisten. Wien ist zur Zeit am bunten Industriefarbentripp. Die Faschingssiedlung liegt unweit des Bahnhof Meidling und gilt als eines der gelungensten Siedlungsprojekte Wiens. Und wirklich: die räumlichen, städtebaulichen Beziehungen im Inneren der Anlage sind wirklich sehr gelungen, die Architekturen durchwegs auch. Es gibt sehr gute, überlegte Baumsetzungen, die in wenigen Jahren schöne Binnenräume erzeugen werden. Die Siedlung ist Autofrei. Es gibt kulturelle Einrichtungen, es gibt Geschäfte, Wege und Plätze.Leider sind die Erdgeschoßzonen bis auf die Baumsetzungen wirklich mißlungen. Und das Kasperlgwand? Ich mag den Harlekin schon im Fasching nicht, geschweige denn, das ganze Jahr über. Die überzeugende Architektur hätte das nicht nötig gehabt.
Wien: die Farben Wagners
17. Februar 2010
Während Richard die letztendgültigen, musikalischen Farben der deutschen Romantik fand, entdeckte Otto die Farben Wiens. Dieses Wohnhaus im siebenten Bezirk war der letzte Wohnsitz von Otto Wagner. Während die Stadt Paris auf ihr berühmtes Grau stolz ist und dieses sogar patentieren lässt, denkt Wien wahrscheinlich, es sei nur Umweltverschmutzung, ein optischer Unfall. Ich würde glauben, dass sich Otto Wagner etwas dabei gedacht hat, als er sein letztes Haus, das ja bei großen Meistern immer auf etwas Zukünftiges - also vielleicht auf uns? - verweist, in mattem Grauweiß, in Schwarzglänzend, und in Weissglänzend gebaut hat. Dass er diese langweiligen Farben mit kleinen, farbig abgesetzten Stichen zusammengenäht hat, versteht, wer Maßschneiderei und ihre Mühe mit den Knopflochumsäumungen kennt. Wer nur von der Stange kennt, würde glauben, dass man so etwas nicht braucht. Stimmt auch. Aber.









