Mariehamn: altrussisches seaside

22. August 2007

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Nach Mariehamn, der Hauptstadt der A°landinseln kommen Markensammler, nationalgesinnte Schweden, Finnen, die nationalgesinnten Schweden etwas entgegensetzen wollen, Ruhesuchende. Wenn man sich als Ausländer länger als einen Tag in Mariehamn aufhält, ist man höchstwahrscheinlich Schüler einer der wichtigsten Kapitänsschulen der Welt, die sich dort befindet und bereitet sich auf ein zukünftiges Kommando auf einem Öltanker vor.

Vor hundert Jahren war man als Fremder auf der Insel höchstwahrscheinlich Mitglied der russischen Aristokratie. Diese Gruppe hat aus dem nicht mehr besonders fern gelegenen St. Petersburg ihren Wohnsitz für die wenigen, warmen Sommerwochen rund um das wunderbare Baltische Meer an Plätze wie diesen verlegt.

Die kleinen, duftigen, weissen Holzhäuschen mit ihrer Laubsägeschnitzerei, ihren Miniaturtürmchen und ihren hübschen, hölzernen Lattenzäunen wirken - vielleicht auch wegen der extrem geringen Autodichte auf der Insel - wie ein um hundert Jahre vorweggenommenes Muster für die berühmte postmoderne Mustersiedlung seaside in Florida, wo versucht wird, ein Bild einer untergangenen Welt neu zu errichten.

Wer die erotisch aufgeladene, seltsame Stimmung jener Gegend kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs - also zur Errichtungszeit der Minivillen auf A°land - nachempfinden mag, der lese unbedingt den Miniroman Evdokija von Leonid Dobycin, eines der unbekanntesten Meisterwerke der Weltliteratur.