Wien: Aufblick auf eine Kirche
Inmitten des neuen Stadtteils Donauplatte steht - eine Kirche. Das ist nichts Neues. Traditioneller Weise besetzen die Kirchen bei uns die Zentren der Orte. Hier aber - in den alten killing fields, an der alten Reichsgrenze, wo der Wind gegen den Menschen kämpft und vermutlich siegen wird - ist diese Mitte zwar besetzt, kann aber nichts gegen die umgebende Kommerzwelt anrichten. Der Massstab hat sich umgedreht. Waren früher die Kirchen die grössten Objekte eines Ortes, die landmarks und Orientierungspunkte, so sind es heute eben die kleinsten geworden, Kioske des Glauben. Der Architekt hat das gut verstanden, und das mickrige Ding - das gleichzeitig auch eine wirklich schöne Architektur ist - in ein Gewand aus Camouflage gehüllt, es so gut es ging unsichtbar gemacht. Die wunderschöne Kirche stammt übrigens von Heinz Tesar, der in einer eigenen Liga unter den Planern Österreichs spielt. Soweit ich das überschauen kann, muss das eine recht einsame Liga sein, denn er spielt dort ziemlich allein. Hin und wieder spielen Gäste mit.