Wien: der Abschied von der Steinarchitektur

 2321.jpg2322.jpg2323.jpg  Früher gab es für die Anwendung von Farbe in der Architektur eine klare Regel. Farbe ja, aber nur als Nachahmung von Steinen, Bausteinen und Natursteinen, die man sich nicht leisten konnte oder wollte.  Dann kam die deutsche Farbenindustrie, die IG Farben und erklärte uns Architekten, dass es mit der Steinfarbigkeit jetzt vorbei sei.  Dieser Trend begann nach dem Ersten Weltkrieg.  Da sich die Architekten zu dieser Zeit sowieso gerade von den verzopften Traditionen ihrer Disziplin verabschiedeten, war von da an alles Mögliche möglich. Heute werden die Farben als Waffen  eingesetzt. Die roten Genossenschaften malen ihre Häuser gerne rot an,  die schwarzen Genossenschaften malen ihre Häuser gerne - grün an, denn schwarze Gebäude sind das Vorrecht der elitären Avantgardisten. Wien ist zur Zeit am bunten Industriefarbentripp. Die Faschingssiedlung  liegt unweit des Bahnhof Meidling und gilt als eines der gelungensten Siedlungsprojekte Wiens. Und wirklich: die räumlichen, städtebaulichen Beziehungen im Inneren der Anlage sind wirklich sehr gelungen, die Architekturen durchwegs auch. Es gibt sehr gute, überlegte Baumsetzungen, die in wenigen Jahren schöne Binnenräume erzeugen werden.  Die Siedlung ist Autofrei. Es gibt kulturelle Einrichtungen, es gibt Geschäfte, Wege und Plätze.Leider sind die Erdgeschoßzonen bis auf die Baumsetzungen wirklich mißlungen. Und das Kasperlgwand? Ich mag den Harlekin schon im Fasching nicht, geschweige denn, das ganze Jahr über. Die überzeugende Architektur hätte das nicht nötig gehabt.  

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